Städte haben eine ganz besondere Atmosphäre, einen besonderen Reiz und eine ganz eigene Kultur – das Urbane fasziniert mich schon seit Langem und daher stehen Städtetrips immer ganz oben auf meiner To-Do Liste. Verbunden mit meiner anderen Leidenschaft, der experimentellen Fotografie auf Film, entstehen auf diesen Reisen natürlich auch immer jede Menge Fotos.

Heute nehme ich euch, im Zusammenhang mit unserer aktuellen Monatschallenge #urbansplendors, mit auf eine kleine Tour durch das Archiv meiner ganz persönlichen Interpretation urbaner Pracht.
Und zusätzlich werde ich euch dabei etwas über die für die Entstehung der Bilder verwendeten Techniken erzählen.

Seid gespannt auf 100% analoge Fotografie

Frankfurt, auch manchmal das Manhatten Deutschlands – Mainhatten – genannt, hat eine ausgeprägte Skyline aus Hochhäusern, aber ebenso noch wunderschöne Altbauten, wie hier auf der Kaiserstraße vor dem Frankfurter Hauptbahnhof zu sehen.

Ein Blick in die andere Richtung offenbart ein schier endlos wirkends Schienennetzwerk.

Die Bilder habe ich mit einer alten sowjetischen Kleinbildkamera, einer Zenit E von 1966 geschossen. Die interessanten monochromen Töne sind auf den Film zurückzuführen – den Lomochrome Turquoise XR 100-400 von Lomography, ein Farbnegativfilm mit einer besonderen Emulsion, die dem berühmten Kodak Aerochrome nachempfunden ist.

Panorma auf Film – und noch dazu auf abgelaufenem Film?! Ja, das geht und sieht ganz wunderbar aus, wie dieses Panorma der Jerusalmsynagoge in Prag zeigt.

Ich habe dieses Bild mit der russischen Zenit Horizon 202 geschossen. Bei dem Film handelt es sich um einen in 2004 abgelaufenen Diafilm, dem Agfa CT precisa 100, welchen ich statt im dafür vorgesehen Positiventwicklungsverfahren als Negativ entwickelt habe – eine so genannte Cross-Entwicklung. Hierbei entstehen oft Farbverschiebungen und knallige Töne.

Prag ist eine mehr als prachtvolle Stadt – hier gibt es so vieles: historische Architektur, einen Fluss, die Karlsbrücke, ein interessantes Nachtleben und Pinguine.

Dieses experimentelle Bild habe ich durch eine so genannte Filmsuppe erzeugt. Filmsuppe? Ja, klingt komisch, aber das gibt’s und ist relativ simpel. Einfach ein paar absolut ungewöhnliche Zutaten, wie z.B. Mundwasser, Saft, Gewürze, Weichspüler oder vieles anderes mit Wasser aufkochen, die Filmpatrone rein, 2-3 Minuten leicht köcheln und je nach Bedarf noch etwas ziehen lassen. Danach die Filmpatrone in einem Behälter mit Wasser durchspülen, abtrocknen, in eine Schüssel Reis einlegen und nach ein paar Tagen ist das Ganze fertig. Fotografiert habe ich dann mit einer sowjetischen Lomo LC-A von 1987.

Die ganze Pracht einer Stadt oder zumindest ein Teil davon, denn die Stadt ist einfach zu groß für ein Bild – Moskau. Hier mit einem Blick auf das berühmte Luschniki Olympiastadion – schon alleine ein Wahrzeichen urbaner (sowjetischer) Pracht.

Der Effekt mit den Blumenlichtern ist durch eine Doppelbelichtung entstanden, d.h. der selbe Filmabschnitt wird zwei Mal belichtet. Mit manchen Kameras ist dies direkt möglich – in meinem Fall musste ich bei meiner Zenit 11 etwas tricksen und den Film zurückspulen.

Ebenfalls gehören die vielen orthodoxen Kirchen zur urbanen Pracht Moskaus – sie prägen das gesamte Stadtbild, genauso wie die vielen Oberleitungen der Trolley-Busse und Straßenbahnen.

Bei diesem Bild handelt es sich wieder um eine Filmsuppe, dieses Mal habe ich aber die Filmpatrone für mehrere Stunden in einem Mix unterschiedlicher Zutaten eingelegt statt für wenige Minuten zu kochen.

Auch Schaufenster können ein Spiegel urbaner Pracht sein.

Doppelbelichtungen haben mich schon immer fasziniert und ist eine meiner Lieblingsmethoden der Fotografie auf Film, denn es lassen sich ganz neue Bilder erzeugen und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, was man miteinander vermischt – alles ist möglich. Dieses Bild habe ich mit meiner Lomo Lubitel von 1953 auf Kodak Portra 160 doppelbelichtet.

Viktoria oder auch liebevoll “Goldelse” genannt, die krönende Statue auf der Spitze der Berliner Siegessäule.

Woher kommen die Löcher – die so genannten Sprocketholes? Ich habe sie dadurch mit ins Bild bekommen, dass ich einen Kleinbildfilm in eine Mittelformatkamera eingelegt habe – in diesem Fall einen abgelaufenen italienischen Ferrania Solaris 200 Film in meine Pentacon Six TL. Durch den kleineren Film zusammen mit der eigentlichen Bildgröße der Kamera kann man über die Sprocketholes (welche zum Filmtransport in der Kleinbildkamera dienen) hinausfotografieren.
Inzwischen gibt es dank 3D-Druckern viele günstige Adapter, um einen Kleinbildfilm kinderleicht in einer Mittelformatkamera zu verwenden.

Oberbaumbrücke, U-Bahn und S-Bahn-Schienen – drei Symbole Berliner urbaner Pracht vereint in einem Bild.

Diese Doppelbelichtung habe ich mit meiner Lomo Lubitel von 1953 gemacht. Die ungewöhnlichen Farben sind dadurch entstanden, dass ich den Lomochrome Purple XR 100-400 (welcher für sich alleine schon interessante lila Farben erzeugt) nicht im üblichen Farbnegativprozess entwickelt habe, sondern als einen Positivfilm, einen Diafilm. Auch eine so genannte Cross-Entwicklung.

Natürlich hat Berlin zudem einiges an moderner Architektur zu bieten, wie das nhow Hotel, direkt an der Spree gelegen.

Dieses interessante Bild ist dadurch entstanden, dass ich die Linien und Strukturen moderner Gebäude mit eigenen, neuen Linen überlagern wollte. Um den hier zu sehenden Effekt zu erzeugen, habe ich dünnes Klebeband in den Freiraum zwischen Linse und Film meiner Kamera geklebt. Das Ergebnis ist mehr als interessant und ziemlich experimentell.

Zum Abschluss entlasse ich euch mit einer letzten Cross-Entwicklung eines Diafilms in den nun angekommenen Herbst.

Dies war meine kleine, alternative und experimentelle Tour zum Thema #urbansplendors und ein Einblick in die Entstehung einiger Effekte und Techniken meiner Fotos.

Habt ihr Interesse daran mehr von meinen Bildern zu sehen, schaut doch einfach mal bei Instagram @_baunovart_ vorbei.