In unserer schnelllebigen Welt und der Bilderflut der Smartphonographen gibt es doch tatsächlich noch Menschen, die sich einem etwas langsameren Lebensstil verschrieben haben.
Ihr denkt an Slow Food? Nein, davon spreche ich hier nicht, auch wenn es seit geraumer Zeit trendy ist, jenes zu genießen, zu fotografieren und mit dem Instaversum zu teilen. Aber das ist heute nicht Thema.
Es gibt auf Instagram eine erstaunlich große Community, die sich der langsamen Fotografie verschrieben hat – der analogen Fotografie.

Während des Scrollens durch die Masse der Bilder ist es nicht immer leicht zu erkennen, wie oder mit welcher Technik ein Foto entstanden ist – und zudem: wen interessiert’s? Hauptsache es sieht gut aus, entspricht temporär-ästhetischen Standards, geprägt durch Werbung oder den Influencern der Instagram Szene. Und wenn es doch mal „vintage“ aussieht – ja, da gibt es eben all die wunderbaren Filter, mit welchen alles möglich ist.
Und doch findet man sie – die echten analogen Fotos.
Natürlich sind auch diese auf gewisse Weise digitalisiert, da man sie sonst schließlich nicht mit der Instagram-Community teilen kann – ein interessantes Diskussionsthema – aber das lassen wir für den Moment mal außer Acht.

Ich möchte euch hier nun einfach mal einen visuellen Einblick in die wunderbare Welt der analogen Fotografie geben und zeigen wie vielseitig, facettenreich, kreativ und experimentell diese sein kann.

svenborosch zeigt, dass man selbst mit einem billigen Kleinbildfilm aus der Drogerie problemlos ein tolles Bild mit wundervoller Farbsättigung schießen kann. Hättet ihr es als Analogfotografie erkannt?

Ein abgelaufener Diafilm, eine Lochkamera, ein gutes Auge und bääm – nebofever kreiert ein Bild, dass selbst das ein oder andere digitale Bild blass aussehen lässt.

Auch markuskaesler ist ein Lochkamerafotograf der besonderen Art und diese atemberaubende Doppelbelichtung erinnert sogar ein wenig an das Filmposter des Meisterwerkes Metropolis von Fritz Lang.

Dieses urban-wanderlustige Bild von _baunovart_ (Autor des Artikels) ist mit dem gleichen Kameramodell Lubitel gemacht worden, wie sie im Titelbild von gonzo601 zu sehen ist – eine sowjetische Mittelformatkamera der 50er, 60er Jahre.

Etwas experimenteller wird es mit dieser Mehrfachbelichtung von wasted_films, der seine Schwarzweiß-Filme alle selbst entwickelt und viel in der Dunkelkammer arbeitet.

Wenn es um kreative Mehrfachbelichtungen geht, sollte man die Fotos von hodachrome definitiv nicht missen. Surreale Welten und knallige Farben sind sein Markenzeichen.

Natürlich darf die Sofortbildfotografie hier auch nicht fehlen. Aber habt ihr denn schon einmal so etwas gesehen? Ein Polaroid Emulsions Lift der besonderen Art von urizenfreaza.

Schon mal was von Filmsuppe gehört? Nun, so kann es aussehen, wenn man seinen Film in Seife, Lemon Gatorade, Essig, Curry und Hustensaft einlegt. wendylaurel erzeugt so eine psychedlisch anmutende Atmosphäre.

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Wer es ganz abstrakt mag, sollte sich die Arbeiten von riawank anschauen. Sie experimentiert mit unterschiedlichen synthetischen Materialien und deren Effekt auf Filmemulsionen.

Zum Abschluss ein Portrait aus der Königsdisziplin der analogen Fotografie – der Kollodium-Nassplattenfotografie oder auch Ambrotypie von thecollodioncollective.

Solltet ihr nun Lust bekommen haben, euch analog auszuleben, schaut doch mal im Schrank eurer Eltern oder Großeltern; ihr werdet dort bestimmt fündig. Ich hoffe, euch mit dieser Auswahl ein wenig inspiriert zu haben, das Smartphone oder Digitalkamera beiseite zu legen und eurer fotografischen Fantasie auf analogem Wege freien Lauf zu lassen.