#phototalks kann man nie genug haben – denn es gibt so viele kreative Köpfe, die nicht nur Wunderschönes kreieren, sondern auch Spannendes zu erzählen haben! Deswegen folgt heute der zweite #phototalk diesen Monats, mit der lieben Karen Cantu von @karencantuq. Sie ist Innenarchitektin und bildende Künstlerin und verbreitet ihre Liebe zu Kunst und Design hauptsächlich über Instagram. Karen lebt derzeit in Montreal, Kanada, kommt aber ursprünglich aus Mexiko.

Auf Instagram hat sie sich mit ihren mysteriösen, farbenfrohen und doch dunklen Kunstwerken mittlerweile eine große Fangemeinde geschaffen, die sie gerne mit ihrer Vorstellungskraft und Fantasie inspiriert. Wir liebe ihre Kunst, mit der sie uns immer wieder überraschen kann und in ihre kleine surreale Welt entführt. Im Interview mit ihr haben wir alles erfahren, darüber, was sie selbst inspiriert, über ihre Arbeit und über ihren Zugang zur Kunst, die sie nutzt, um sich auszudrücken, aber auch um sich selbst zu heilen.

Hallo Karen! Erzähl uns ein bisschen über dich. Was machst du beruflich und wie führte dich das zur Kunst?
Hallo! Nun, zurzeit arbeite ich als Auftragnehmer für verschiedene Marken und Unternehmen. Meine Arbeit besteht hauptsächlich aus der Erstellung von Inhalten für soziale Medien und ich bin derzeitige Chefdesignerin der Kommunikationsabteilung eines Magazins in Indianapolis, USA.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Eigentlich betrachte ich mich selbst nicht als Fotografin. Ich habe angefangen, meine Collagen und Bildbearbeitungen zu machen, hauptsächlich, weil ich nicht gut war in der Fotografie, hahaha…

Aber du hast einen so spezifischen, surrealen Stil. Wie ist der entstanden?
Ich war ein paar Jahre krank, was meine Lebenspläne radikal verändert hast. Letztendlich führte das zu einer Depression, die einige Monate anhielt. Damals begann ich surreale Kunstwerke als eine Art Selbsttherapie zu kreieren. Ich habe eine sehr lebendige Vorstellungskraft und meine Gedanken neigen dazu, endlos zu wandern. Um ehrlich zu sein war das nicht immer ein Segen für mich! Ich brauchte eine Weile, um zu verstehen und zu entdecken, dass mein Verstand das eher ungewöhnliche „Bedürfnis“ hat, immer unrealistisch zu sein, immer kreativ zu sein. Ich brauchte noch mehr Zeit, um dieses Bedürfnis zu kontrollieren beziehungsweise es zu kanalisieren, indem ich lernte, wie man Werkzeuge verwendet, vom Bleistift bis zum Pinsel oder meinem Computer, anstatt meine eigenen Gedanken und Gefühle zu manipulieren.
Heute ist das für mich eine alltägliche Therapie. Es erlaubt mir zu lernen, meine Gefühle in Kunstwerke zu hüllen und es wirkt wirklich wunderbar heilsam für den Geist!

Es war also ein langer Weg für mich, meinen Stil zu entdecken und ein noch längerer, dafür bekannt zu sein. Zuerst habe ich mich von anderen Künstlern inspirieren lassen, was meiner Meinung nach ziemlich normal ist. Wenn man sich meine frühen Arbeiten ansieht, stellt man schnell fest, dass sie viel surrealer sind als eine jetzigen! Mit der Zeit hatte ich immer mehr das Bedürfnis, etwas zu erschaffen, von dem die Leute vorher nicht wussten, dass sie es vermissen. Sie haben vielleicht Tausende von Fotos von Waschbären, Löwen, Tigern, Füchsen usw. gesehen. Aber nicht so, wie ich sie darstelle – das ist das, was ihnen gefehlt hat. Das perfekte Porträt eines Tigers mit einem Schmetterling, eines Fuchses, der sich durch Blumen schleicht, oder eines Waschbären, der aus einem Bündel schöner Sukkulenten heraus guckt.
Natürlich glaube ich, dass die meisten Künstler ab und zu ihren Stil wechseln. Ich arbeite nicht nur mit Tieren, sondern auch mit dem Weltall und Astronauten. Ich denke aber, die Natur wird für mich und meine Kunst immer eine Rolle spielen.


Zu deinem kreativen Prozess: Wie kommst du auf deine Ideen und wie entwickelst du diese zu einem fertigen Kunstwerk?
Wenn ich sage, dass ich meine Gefühle in meine Kunstwerke einfließen lasse, dann meine ich das fast wörtlich, haha! Ich bearbeite, geleitet von meinen Gefühlen – das ist für mich die gesündeste Art, sie rauszulassen. Es geht darum, was ich ausdrücken möchte, wenn ich etwas erschaffe. Zum Beispiel könnten die Leute ein Werk sehen und sagen: „Oh, dieser Tiger ist wunderschön!“. Aber haben sie seine Augen gesehen, frage ich mich? Haben sie die besondere Traurigkeit oder Melancholie bemerkt, die ich ihnen verliehen habe? Es geht nicht immer um die Schönheit, oder darum, wie süß das Tier aussieht. Ich liebe es, wenn die Menschen die tiefere Botschaft oder Bedeutung hinter meinen Werken verstehen. Aber letztendlich mache ich die Kunst vor allem für mich selbst, und ich habe nicht wirklich vor, das zu ändern.

Wie lange brauchst du im Durchschnitt, um eine deiner Kreationen herzustellen?
Oh, das ist wirklich ganz unterschiedlich! Einige von ihnen sind in 15 Minuten erledigt und andere brauchen etwa 2 Stunden oder länger. Manchmal teile ich auch kurze Tutorials, um Leuten zu zeigen, dass man manchmal nicht viel Zeit braucht, um etwas Tolles zu erstellen. Ich habe selten mehr als 20 Ebenen in Photoshop, haha!



Wie fühlt es sich an, eine solche IG-Fangemeinde aufgebaut zu haben? Kollaborierst du häufig mit anderen IGern oder arbeitest mit ihnen zusammen?
Ich bin so glücklich und überaus dankbar für meine Instagram-Fangemeinde. Ihr ist es vor allem zu verdanken, dass ich meine Leidenschaft ausleben und das tun kann, was ich am meisten liebe.
Ich bin oft in Kontakt mit anderen Leuten auf Instagram und habe durch die Plattform viele gute Freunde gefunden. Aber kollaborieren oder zusammenarbeiten tue ich nicht wirklich mit irgendwem. Nicht, weil ich nicht interessiert daran wäre, aber ich glaube, ich habe eine sehr spezifische Arbeitsweise und daher ergibt sich nur selten eine solche Gelegenheit.

Zu guter letzt – was sind deine persönlichen Lieblingsprofile?
Oh, ich habe so viele! Aber hier sind ein paar meiner Favoriten:
@indg0
@sienna.and.i
@hey.luisa
@alexandriaslens
@the_life_of_aivax
@sarashakeel
@lucialitman
@tedslittledream


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