Er liebt die Nachkriegsmoderne (es darf auch monumental sein), entdeckt gerne das Unentdeckte (und behält es für sich) und er hat Höhenangst (und überwindet sie) – denn am Ende ist das Foto wichtiger. @mollorange.berlin gehört eher zu den Stillen auf Instagram – viele seiner Fotos lädt er komplett ohne caption hoch – und oft auch ohne einen Hinweis auf den Aufnahmeort – ähnlich verschwiegen wie @lindaberlin oder @konaction. Wir haben Karsten Knorr im Bulbul in Kreuzberg getroffen und sprachen zwischen arabischen Büchern, persischen Teppichen und Vintage-Möbeln.

Bist du Berliner?
Nein, aber hier bin ich sesshaft geworden, seit 17 Jahren lebe ich in der Stadt.

Karsten ist unprätentiös, bescheiden und eigentlich ein family guy. Das zweite Kind ist fast auf der Welt und trotz eigenem Geschäft (dem Onlinehandel Hanseheld) versucht er sich einen Tag pro Woche zum Fotografieren “freizukämpfen” – mit Erfolg. Sein Account hält gemäldegleiche abstrakte Kompositionen aus Beton und Pastell bereit, auch poetische Stadtbäume, schöne hässliche Ecken, waschechte 70er-Jahre-Farbpaletten und einiges oberhalb des Horizonts – dreckiggelb gegen Berlins stahlblauen Himmel.

Warst du so ein Kamerakind, das schon mit 5 rumgeknipst hat?
Nein, ich habe nur mit der Videokamera meiner Mutter viel rumexperimentiert. Die erste eigene Kamera hatte ich 2001 – und damals habe ich fürs stille Kämmerlein fotografiert. Seit 2015 bin ich aktiv auf Instagram.

@mollorange.berlins Vita ist glücklicherweise nicht schnurgerade – mit 20 wollte er Musiker werden (aus dieser Zeit stammt der Name), dann ein aufgegebenes Soziologie- und Philosophiestudium und eine Ausbildung zum Medieninformatiker. Bis heute schwingt vor den leeren Hausfassaden, der verlassenen Currywurstbude, den gardinenverhangenen Plattenbaufenstern… und all der anderen frohgemuten Tristesse ein soziologisches Interesse mit.

Warum fotografierst du diese “hässlichen” Orte?
Ich mag einfach die Architektur von den 60ern bis zu den 80ern, und auch eher die höheren Sachen – Bruno Taut ist mir zu niedlich. Am liebsten fotografiere ich die Randbezirke von Berlin. Der Wedding ist total cool mit vielen Parabolantennen, Häuser-Endstücken, Hinterhöfen und dem Hafen.

Zurzeit interessiert Karsten das Schwarzwaldviertel, nie bekommt er genug vom Märkischen Viertel und eigentlich gibt es “10 000 Ziele” allein in Berlin. An einem Tag flog er hin- und zurück nach Kopenhagen, für eine Fototour-Auszeit ohne Familie. “Einen Meter vom Geländer entfernt” – so fotografiert er mit Höhenangst dann doch – “das Foto ist wichtiger” – sagt er selbstironisch, noch so eine Qualität von @mollorange.berlin.