Wer zum ersten Mal einen Blick auf ihre Galerie wirft, kann sich der Faszination kaum entziehen – selbst in den geometrischen Kompositionen steckt eine Zartheit und Poesie, die selten ist. @helinbereket schlägt das “Nah am Wasser gebaut” am Kiehlufer in Neukölln als Treffpunkt vor. Kaffeeduft, Ziegelwände, farbige Fenster und zwei Schaukeln, ein Ort zum längeren Verweilen.

Berlin ist der Ort, wo Helin ihre Fotos schießt, oft streift sie dafür stundenlang durch die Stadt und dann: Neubaublöcke, vorbeihastende Rentner, Altbauten und das Stahlblau des Himmels. Seit acht Jahren lebt sie in der Stadt – die sie unter anderem für Reisen nach Island, Äthiopien und Thailand immer wieder hinter sich gelassen hat, während ihre Familie in Istanbul lebt. Deutsch spricht sie perfekt – mit 11 Jahren fasste sie den Vorsatz Deutsch zu lernen, vor allem wegen einer deutschen Familie, mit der sie sich im Urlaub angefreundet hatte.

Dass sie Architektur studiert hat und die Ordnung der Dinge liebt, sieht man den Linien, der Auswahl der Ausschnitte, an. Aber dann ist da dieses andere Element der Unordnung, des Kontrastes und des Humors, das immer ein Tüpfelchen Imperfektion auf jedes Foto setzt. @helinbereket hat ebenso wie viele andere von der suggested user list profitiert und konnte ihre Reichweite ausbauen, aber als Influencerin oder überraschenderweise Fotografin möchte sie sich trotzdem nicht bezeichnen – “Ich mag Labels nicht.”

Indirekt mit ihren Bildern und Beschreibungen, direkt mit verschiedenen Kunstprojekten (Helin hat an der Kunstuni in Berlin studiert) führt sie die Logik des Erfolgs auf Instagram immer wieder ad absurdum. Den Wohlfühl- und Selfie-Accounts stellt sie genaue Beobachtung und lustige Kommentare entgegen – zum Beispiel über die Finissage einer Ausstellung: “If you want to see it, go home and cry because it’s over now.” Hashtags wie #theconfusedpigeon oder #helinsayshello sind liebgewonnene running gags von ihr.

Zum Schluss zwei Beispiele für Helins künstlerische Projekte.

“Instaglam” war ein Kunst-Projekt im Rahmen von 48-Stunden-Neukölln. Die Fotocollage aus Footage-Material von Instagram “hinterfragt, wie sich Menschen online präsentieren und ergründet die Motivation, halbfiktionale Lebensentwürfe zumeist fremder Menschen zu beobachten.”

instaglam

Im Rahmen des Fotowettbewerbs #veränderedeinePerspektive entwickelte Helin eine Fotoserie mit Spiegeln. Ihre Eigenschaften zu verdecken und zu enthüllen bergen das Potenzial, über den Blick auf den weiblichen Körper und vorgespiegelte Wahrheiten zu reflektieren.

Helins Lieblings-Accounts
@candagarslani
@ellamsinger
@juancamiloberlin
@thisaintartschool