Wir treffen Ryan spontan an einem regnerischen Tag in einem Berliner Café. Er ist hier, um die Stadt zu besuchen, auf dem Weg nach Paris. Wir reden über Reisen, Städte und ihre Farben, wie er mit dem Fotografieren angefangen hat und die Tatsache, dass Giraffen es schaffen, gleichzeitig elegant und unbeholfen auszusehen.

Wir sprechen zuerst über das Naheliegende: Berlin, unsere schöne Hauptstadt und Heimat von PICKMOTION. Seine Eindrücke und darüber, warum ihn die Stadt so überrascht. “Es ist wirklich cool hier. Ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte – ich habe nicht damit gerechnet, dass es so modern sein würde. Es gibt viel moderne Architektur, dabei hatte ich mit älteren Gebäuden gerechnet. Ich habe, bevor ich kam, viele Bilder von verschiedenen deutschen Städten gesehen und alle sahen eher alt und irgendwie dunkel aus oder zumindest mit dunkler Architektur. Das habe ich hier erwartet, aber so ist es nicht. Alles ist sehr bunt!”

Ryan arbeitet hauptberuflich an einer Schule in Rom. Trotzdem findet er jeden zweiten Tag die Zeit, einfach durch die Stadt zu spazieren, die Atmosphäre zu genießen und Fotos zu machen. Unbeschwert durch die Straßen schlendern – das macht er in jeder Stadt, die er besucht. Street Art, Türen, Architektur, Autos, Cafés – das sind die wiederkehrenden Motive seines Feeds @neevenr. Besonders mag er aber vor allem Architektur. “Ich weiß nicht, was genau es ist, aber ich liebe Architektur. Manchmal wünschte ich, ich hätte Architektur studiert. Architektur und Fotografie.” Sein Lieblingsarchitektin war Zaha Hadid. Er bewundert ihren kinetisch-modernen Ansatz und wie sie es vermochte, ihn in den alten, historisch-italienischen Stil einzuweben.

Erst vor kurzem fing er auch mit Straßenfotografie an. “Ich habe gerade erst angefangen, weil ich bisher fast ein wenig Angst hatte, Menschen zu fotografieren. Ich habe das Gefühl, Menschen auf der Straße zu fotografieren, ist unheimlich, weil man nie weiß, wie sie reagieren. Ich versuche, sie in Bewegung abzulichten, so dass sie oft nicht einmal merken, dass ich ein Foto mache.” Eines dieser Bilder wurde sogar von vsco für eines ihrer neueren Pre-Sets gekauft. “Darüber habe ich mich wirklich gefreut. Das ist die einzige App, die ich für das Posten auf Instagram verwende. So viel einfacher und schneller als Lightroom. Und es hält alles einheitlich.”

Seine beiden großen Leidenschaften – Fotografie und Reisen – scheinen zweifellos miteinander verbunden zu sein. Tatsächlich war eine Auslandsreise sogar der Ausgangspunkt für ihn, um sich mit der Fotografie zu beschäftigen. “Ich habe mit ein paar Freunden zusammen eine Zeitschrift für Herrenbekleidung gegründet. Meine erste große Sache für dieses Magazin war es, zu einer Pressereise in die Dominikanische Republik zu reisen. Ich sollte Fotos machen – dabei hatte ich noch nicht einmal eine Kamera! Also… habe ich mir eine gekauft und die ganze Reise über Fotos gemacht. Es war die beste (kostenlose) Reise meines Lebens!“ War es damals vorwiegend Modefotografie, so ist es nun zweifellos die Reisefotografie, die ihn so begeistert. “Ich möchte einfach überall hinreisen, alles sehen und alles fotografieren”, sagt er. Auch sein Lieblingsfoto ist eines, das er während einer Reise gemacht hat, zum Pragser Wildsee im letzten Herbst.

Der Einstieg in die Fotografie veränderte auch die Art und Weise, wie er heutzutage unterwegs ist. „Bevor ich mit dem Fotografieren angefangen habe, wäre ich nie einfach nur so herumgelaufen. Ich wäre einfach direkt dorthin gegangen, wo ich hin wollte. Aber mittlerweile nehme ich gerne auch einen Umweg in Kauf. Genauso wie heute – ich wusste, wo ich hin wollte, aber ich habe nicht den direkten Weg genommen, um dorthin zu gelangen. Sobald man sich neue Wege sucht, sieht man Dinge, die man sonst nie gesehen hätte. Die U-Bahn oder den Bus zu nehmen, ist der einfache Weg, aber man verpasst so viel – ohne überhaupt zu bemerken, was man alles verpasst.”

Seit er nach Europa gezogen ist, hat er bereits einiges von unserem kleinen Kontinent gesehen. Manchmal, sagt er, ist es schwer zu entscheiden, ob er noch mehr Länder bereisen oder zuerst Italien erkunden soll. Eines seiner Projekte, @doorsofitaly, ist jedoch ein guter Grund für ihn, noch mehr von seiner derzeitigen Wahlheimat zu sehen „Mein Ziel ist es, ein Buch für den Kaffeetisch von Türen Italiens zu erstellen. Deshalb versuche ich, die verschiedenen Teile Italiens zu sehen. Ich bin kurz davor, fast alle Regionen Italiens gesehen zu haben, und ich denke, ich muss zumindest in allen einmal gewesen sein, damit ich es als eine Sammlung italienischer Türen bezeichnen kann. Ich habe so viele Bilder von Rom, Florenz und Mailand, aber ich will das ganze Land abbilden. Ich will dem Land gerecht werden. Deshalb reise ich weiter.”


Wenn er nicht gerade mit Reisen oder der Arbeit beschäftigt ist, sitzt er gerne in Cafés und beobachtet Leute. Ryan ist ein großer Kaffeeliebhaber. Ob Espresso, mit Milch oder schwarz – es gibt keinen Kaffee, den er nicht probieren würde und den er nicht liebt. Daher waren wir kaum überrascht, als wir von einem weiteren Ziel von ihm erfuhren. „Ich denke, ein Ziel in meinem Leben ist es, ein Café zu haben. Es zu besitzen und in der Lage zu sein, es nach meinem eigenen Geschmack zu gestalten. Ich würde es komplett in schwarz-weiß halten. Sehr modern. Ich weiß nicht woher die Idee kam, aber ich habe direkt angefangen, Ideen und Vorstellungen zu skizzieren. Ich denke, es würde wirklich cool aussehen. “

Beim Durchstöbern seines Feeds fällt auf, dass er manchmal fast monochromatisch aussieht – mit einer wechselnden Farbpalette sobald er zu einem neuen Ort reist. „Es ist seltsam, ich habe das Gefühl, dass Rom eine eigene Farbpalette hat. Geht man nach Florenz sieht man direkt ganz andere Farben. Jede Stadt hat ihre eigenen. Rom zeichnet sich durch orangene und rötliche Töne aus, Florenz ist sehr gelb. Ich weiß nicht warum, aber ich schaue mir die gesamte Architektur an und sehe diese Farben. Das ist wirklich faszinierend. Seine Lieblingsstadt in Italien ist Mailand. Wir fragen ihn, welche Farbe sie kennzeichnet. “Grau. Mailand ist eine moderne Stadt mit moderner Architektur.” Der eine Ort, den er bei jedem Besuch wieder aufsucht? Bar Luce, entworfen von Kult-Regisseur Wes Anderson.

Ryan ist in Boston aufgewachsen und hat in Pittsburgh, Pennsylvania, International Business and Marketing studiert. Seit August 2017 lebt er in Rom, der Stadt der Götter, der Geschichte und der architektonischen Schönheit. Ob er jemals in die Staaten zurückkehren wird? Vielleicht eines Tages. Aber wieso sollte er sich über die Zukunft stressen? „Ich bin spontan und kann nicht langfristig planen. Viele Dinge mache ich last-minute, aber normalerweise klappt alles, wie ich es mir vorstelle.“

Einige seiner Lieblings-Instagrammer sind @salvalopez (“viel und erstaunliche Architektur”), @brahmino (“so gute Fotografie”) and @tedgushue mit all seinen großartigen Aufnahmen von Reisen und Autos. Auch der Account @type7 gefällt Ryan “Alles, was ich liebe in einem Feed: Architektur, Porsches und coole Kunstinstallationen.”

Sein Rat für andere Fotografen? “Ich sage es nur ungern, aber halte dich von den Touristenpfaden fern, bleib weg von den touristischen Orten und erkunde einfach alles selbst. So findest du die wirklich einzigartigen Dinge.”