Für Designliebhaber, die Hochwertiges und Exzentrisches lieben: Ellen Teschendorff hat einen wunderbaren Styleguide über Berlin geschrieben. Zusammen mit der Bühnenbildnerin Petra Albert, die Shops, Restaurants, Hotels und Plätze in Szene setzte, ging sie auf Entdeckungstour durch die szenigsten Kieze. Im Gespräch erzählt Ellen von ihrem Berlin und der kuriosen Entstehungsgeschichte des Guides.

Die Reihe der Styleguides begann mit einem ersten Band über New York von Sibella Court, das ich entdeckt hatte, als ich mich auf meinen eigenen New-York-Trip vorbereitete. Sibella Court ist wirklich ein großer Name in der Designszene, sie hat zum Beispiel “Das Ideenbuch für leidenschaftliche Sammlerinnen” geschrieben. Ich wunderte mich, ob es den Styleguide auch über Berlin gab, und als ich nicht fündig wurde, rief ich kurzerhand beim Verlag an und fragte den Verlagsleiter mit einer Unverblümtheit, die mich noch heute selbst überrascht: “Planen Sie eine Berliner Ausgabe?” Ich bekam einen unglaublichen Vertrauensvorschuss und durfte einen ersten Entwurf einreichen, auf den ich innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung bekam.

Als geborene Berlinerin kenne ich natürlich die Stadt sehr gut. Trotzdem war es eine Herausforderung, den Guide zu schreiben. Ich hatte eine sehr strenge Deutschlehrerin und sie war von meinen Aufsätzen nie begeistert – nur durchs Gedichtaufsagen habe ich mich immer retten können. Als das Buch erschienen ist, habe ich es mir nicht nehmen lassen, dieser Lehrerin, sie war inzwischen über 90, einen Band zu schicken.

Das Buch ist so aufgebaut, dass es für jeden Stadtteil 2-4 Touren gibt, die dem Tagesablauf folgen, also zum Beispiel mit einem Frühstück beginnen, einer Shoppingtour fortfahren, Vorschläge für einen Mittagssnack bringen usw. Außerdem habe ich Interviews mit Kreativen aus den Kiezen geführt, die noch einmal einen anderen Blick auf die Stadt haben. Der Guide ist absolut persönlich gefärbt und verzichtet auf Mainstream und die üblichen Sehenswürdigkeiten. Die Leser sollen die Atmosphäre der Stadt verstehen, sie sollen sich als Berliner fernab von Mauer, Fernsehturm und Brandenburger Tor fühlen und z.B. lieber auf einen Wochenmarkt gehen.

Ich selbst wohne im Gräfekiez und konnte Bezirke wie Charlottenburg oder Neukölln bei der Arbeit am Buch neu für mich entdecken. Mit dem Rad oder zu Fuß habe ich mich für die Recherche wie ein Flaneur durch die Stadt bewegt und alles, was im Buch steht, selbst probiert. Auch zwei meiner drei Läden sind vertreten: Schwesterherz Kreuzberg und Küchenliebe in Friedrichshain.

Geschrieben habe ich den größten Teil innerhalb von zwei Wochen in Kapstadt und einen Tag vor meinem Geburtstag, am 10. März, ist der Styleguide Berlin erschienen.

Pickmotions Fazit

Wie man ihn dreht und wendet, der Styleguide hat eine absolut überzeugende Haptik mit dicken Buchdeckeln, starkem matten Papier und einem Gummiband, dass es erlaubt, ihn mit Postkarten, Notizen, Visitenkarten, Lesezeichen, Stadtpläne und anderem Krimskrams zu spicken ohne etwas zu verlieren. Ich mag sehr die unbefangene, natürliche Art, wie Ellen über kleine feine Läden, große Stores und ihre kulinarischen Geheimtipps schreibt. Ein Coffetable-Buch, ja, aber gleichzeitig ein wirklich praktischer Ratgeber, in dem selbst Berliner noch Neues entdecken können.

Ellen Teschendorff/Petra Albert: styleguide Berlin, National Geographic, 24,99 Euro